Ratgeber Personal und Technik
Azubis über die eigene Website gewinnen
Kurz gesagt
Bewerber prüfen Ihren Betrieb online, bevor sie sich melden, und entscheiden dabei oft schon. Sie suchen drei Dinge: wie es dort aussieht, wer dort arbeitet und wie man sich ohne Aufwand bewirbt. Eine eigene Karriereseite mit echten Fotos, konkreten Angaben zu Vergütung und Arbeitszeiten und einer Bewerbung per WhatsApp schlägt jede Anzeige.
Für viele Betriebe ist die Website inzwischen wichtiger für die Personalsuche als für die Kundengewinnung. Kunden kommen über Empfehlung, Azubis nicht.
Was tatsächlich passiert
Ein Sechzehnjähriger hört von Ihrem Betrieb, im Praktikum, über die Eltern, über eine Anzeige. Sein nächster Schritt ist immer derselbe: Er googelt Sie, auf dem Handy, abends.
Was er dort findet, entscheidet, ob er sich meldet. Findet er eine Seite von 2011, auf der man zoomen muss, denkt er nicht "die haben halt keine gute Website". Er denkt "da läuft nichts".
Die drei Fragen des Bewerbers
1. Wie sieht es dort aus?
Er will die Werkstatt sehen, die Fahrzeuge, die Baustellen. Nicht ein Stockfoto von einem Handwerker mit perfekten Zähnen. Echte Bilder aus Ihrem Betrieb, auch wenn sie mit dem Handy gemacht sind.
2. Wer arbeitet dort?
Gibt es junge Leute? Wie viele sind sie? Wie reden die miteinander? Ein Teamfoto mit Vornamen und Funktion ist hier stärker als jede Beschreibung der Unternehmenskultur.
3. Wie bewerbe ich mich?
Und hier verlieren die meisten Betriebe ihn. Wenn dort steht "Bewerbungen bitte mit vollständigen Unterlagen an info@..." wird er es nicht tun. Nicht weil er faul ist, sondern weil er nicht weiß, was vollständige Unterlagen sind, und Angst hat, etwas falsch zu machen.
Die Karriereseite, die funktioniert
Eine eigene Unterseite, nicht ein Absatz auf der Startseite. Adresse etwa /ausbildung/ oder /karriere/.
Was drauf gehört
- Welche Stellen offen sind, konkret. "Wir suchen einen Auszubildenden zum Dachdecker für August 2027" statt "Wir suchen immer motivierte Verstärkung".
- Was der Tag konkret bringt. Wann geht es los, wo trifft man sich, was macht man in der ersten Woche, wann ist Feierabend. Diese Konkretheit fehlt fast überall.
- Vergütung. Nennen Sie Zahlen. Die tarifliche Ausbildungsvergütung ist öffentlich, es gibt keinen Grund, sie zu verschweigen. Wer sie nennt, wirkt sicher.
- Was Sie bieten: Führerschein-Zuschuss, Arbeitskleidung, Werkzeug, Übernahmechance, Fahrtkostenzuschuss, Handy. Konkret, nicht "attraktives Umfeld".
- Was Sie erwarten, realistisch. "Pünktlich, kein Problem mit Höhe, Führerschein wäre gut, ist aber kein Muss."
- Fotos von jungen Leuten im Betrieb. Am besten Ihre eigenen Azubis bei der Arbeit.
- Ein Ansprechpartner mit Namen, Bild und Nummer. Nicht info@.
Die Bewerbung so einfach wie möglich machen
Das ist der größte Hebel und der billigste.
| Statt | Besser |
|---|---|
| "Vollständige Bewerbungsunterlagen" | "Schick uns einfach eine Nachricht mit deinem Namen und wann du Zeit hast." |
| E-Mail an info@ | WhatsApp-Nummer, direkt antippbar |
| Bewerbungsformular mit zwölf Feldern | Drei Felder: Name, Nummer, was du machen willst |
| "Anschreiben erforderlich" | "Kein Anschreiben nötig, wir reden lieber." |
Ein Satz wie "Kein Anschreiben nötig. Ruf einfach an oder schick eine WhatsApp, dann machen wir einen Termin zum Reinschnuppern aus." senkt die Hemmschwelle mehr als jede Gehaltsangabe.
Praktikum als Einstieg
Die meisten Ausbildungsverhältnisse entstehen aus einem Praktikum. Machen Sie das explizit:
- Eigener Absatz zum Schülerpraktikum
- Ab welcher Klasse, wie lange, wann möglich
- Was man dort macht, konkret
- Ein Satz, dass man auch einfach mal einen Tag mitfahren kann
Der Tagespraktikant von heute ist der Azubi in zwei Jahren.
Gefunden werden
Ihre Karriereseite sollte für "Ausbildung Dachdecker Wildeshausen" auffindbar sein. Dafür braucht sie:
- Beruf und Ort im Seitentitel
- eine eigene Adresse, nicht nur einen Anker auf der Startseite
- strukturierte Daten für Stellenangebote, damit die Stelle in der Google-Jobsuche erscheinen kann
Der letzte Punkt wird fast immer vergessen und ist kostenlos.
Der Realitätscheck
Öffnen Sie Ihre Website auf dem Handy und stellen Sie sich vor, Sie sind sechzehn:
- Erkennen Sie in zehn Sekunden, ob dort ausgebildet wird?
- Sehen Sie ein Gesicht, an das Sie sich wenden können?
- Wissen Sie, was Sie tun müssen, um sich zu bewerben?
- Würden Sie es tun?
Wenn eine Antwort nein lautet, wissen Sie, woran es liegt, dass keine Bewerbungen kommen.
Häufige Rückfragen
Lohnt sich eine eigene Karriereseite bei einem Betrieb mit sechs Leuten?
Gerade dann. Große Betriebe finden über Reichweite, kleine über Persönlichkeit. Eine Seite, auf der der Chef mit Namen und Nummer steht und echte Fotos aus der Werkstatt zu sehen sind, wirkt bei jungen Leuten stärker als eine Hochglanzkarriereseite eines Konzerns.
Soll ich die Ausbildungsvergütung wirklich nennen?
Ja. Sie ist in den meisten Gewerken tariflich geregelt und öffentlich einsehbar. Wer sie verschweigt, weckt den Verdacht, dass etwas nicht stimmt. Wer sie nennt, spart sich Bewerber mit falschen Erwartungen.
Ist WhatsApp für Bewerbungen datenschutzrechtlich in Ordnung?
Für eine erste Kontaktaufnahme mit Name und Terminwunsch in der Regel unproblematisch. Bewerbungsunterlagen mit Zeugnissen sollten Sie nicht über WhatsApp abwickeln, dafür dann E-Mail oder ein persönliches Gespräch. Nennen Sie WhatsApp in Ihrer Datenschutzerklärung, wenn Sie es geschäftlich einsetzen.